Papst zu Parlamentariern: Gesetze müssen Gemeinwohl dienen

Katholische Politiker aus aller Welt, Kardinal Schönborn sowie Bischöfe aus Ländern der verfolgten Kirche begegneten Franziskus - Trumau-Rektor und Leiter von Geusau: Europa knüpft an Entwicklungshilfe häufig Bedingung der Abtreibungs-Legalisierung Vatikanstadt, 27.08.2017 (KAP)

Der Papst hat katholische Parlamentarier aus aller Welt daran erinnert, dass Gesetze stets im Dienste des "Aufbaus einer menschlicheren und gerechteren Gesellschaft" stehen müssen. "Die Gesetze, die ihr verabschiedet und in Kraft setzt, sollten Brücken des Dialoges zwischen verschiedenen politischen Perspektiven bilden", gab der Papst am Sonntagnachmittag den Mitgliedern des International Catholic Legislate Network (ICLN) mit auf dem Weg.

Auch österreichische und deutsche Abgeordnete, der koptische Bischof Österreichs Anba Gabriel sowie als Initiator und Schirmherr Kardinal Christoph Schönborn waren bei der Begegnung anwesend. Stärker Beachtung finden sollten in der Gesetzgebung vor allem die "verletzlichen und ausgegrenzten Glieder der Gesellschaft", sagte der Papst; "vor allem die vielen Menschen, die dazu gezwungen sind, ihre Heimat zu verlassen". Ebenso müsse die Gesetzgebung im Dienste einer "korrekten menschlichen und natürlichen Ökologie" stehen, so Franziskus mit Blick auf Menschenrechte und Umweltschutz. Christen sollten ein von Menschenwürde geprägtes Menschenverständnis in die Politik einbringen, sich für Religionsfreiheit einsetzen und um den Schutz des Lebens in all seinen Phasen bemüht sein. Besonders erfreut zeigte sich der Papst bei der nach dem Angelus-Gebet erfolgten Begegnung im Vatikan über die jüngst erfolgte deutliche Vergrößerung des Netzwerkes um Mitglieder aus verschiedenen afrikanischen Staaten.

Gegründet wurde das ICLN 2010 von Kardinal Schönborn und dem britischen Oberhausmitglied Lord David Alton, um die Förderung christlicher Werte im politischen Bereich zu fördern. Es hat seinen Sitz in Trumau (NÖ) und wird vom Rektor des dortigen Internationalen Theologischen Instituts (ITI), Christiaan Alting von Geusau, geleitet. Von Geusau überreichte dem Papst eine inhaltliche Zusammenfassung des vorhergehenden viertägigen Treffens der rund 220 Politiker in Frascati bei Rom und skizzierte die wichtigsten Themen.

"Ideologischer Kolonialismus" in Afrika

In Afrika betreibe Europa derzeit einen höchst problematischen "ideologischen Kolonialismus", gab von Geusau in seiner Ansprache vor dem Papst ein bei der Parlamentarierversammlung von den afrikanischen Vertretern vorgebrachtes Thema wieder. "Entwicklungshilfe wird Afrika mit der Bedingung gegeben, dass die jeweiligen Landesgesetze nach den Wünschen des Westens umgeändert werden. Dies wird jedoch als große Beleidigung aufgegriffen. Die Afrikaner wollen das nicht", berichtete der ICLN-Leiter im Anschluss der Nachrichtenagentur Kathpress. Besonders oft werde als Bedingung die Legalisierung der Abtreibung genannt. "Die afrikanischen Partner sagen auch hier: Die Frauen in unseren Ländern wollen das nicht. Es steht völlig der von uns praktizierten Kultur des Lebens entgegen", so von Geusau. Über die "christliche Vision des Menschen" angesichts aktueller politischer Herausforderungen hatte zuvor am Donnerstagabend der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn vor den Parlamentariern gesprochen.

Als zweites Großthema nannte der Trumauer Institutsrektor die Christenverfolgung im Nahen Osten und die Bemühungen um den Wiederaufbau und die Rückkehr christlicher Familien in der Ninive-Ebene. Auch die schwierige Situation der Christen in Nordafrika war Thema - u.a. durch ein Zeugnis von Bischof Anba Pavly, der bei der Versammlung in Frascati als Patriarchalvikar von Alexandria den koptischorthodoxen Papst-Patriarchen Tawadros II. vertrat. Auf die Christenverfolgungen in Pakistan ging bei dem Treffen der Erzbischof von Lahore, Sebastian Francis Shaw, ein. Weitere Themen des Treffens waren u.a. Euthanasie, Biotechnologie, Religionsfreiheit, Menschenrechte, der Dialog zwischen Staat und Religion sowie auch der Missbrauch im kirchlichen Bereich.

Am Samstagabend wurde zum bisher dritten Mal eine Auszeichnung für den Einsatz für Religionsfreiheit, der "Religious Freedom Advocacy Award" vergeben. Preisträger war der US-Kongressabgeordnete Chris Smith, der sich in seiner politischen Laufbahn besonders für die Verteidigung des Artikels 18 der Erklärung der Menschenrechte - der Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit - verschrieben habe, erklärten die Veranstalter.